Wenn genetisches Gemüse Abitur machen will

23. Februar 2024

„Warum hat denn mein Sohn nur vier Punkte in der letzten Prüfung?“, fragt Frau Prohaska, eine besorgte Mutter (provokant gespielt von Elena Schwemmer). Der Lehrer, Herr Engelhard, lässt aber nicht mit sich reden. Distanziert antwortet er: „Weil es so in meinem Notenbuch steht!“ Bendix von Komorowski glänzt in der Rolle des kompromisslosen Hardliners.

Aber auch Fabians Vater (routiniert gespielt von Linus Straßer) bleibt bei seiner Meinung und so setzten die frustrierten Eltern an einem Freitagnachmittag sieben Lehrkräfte im Lehrerzimmer fest, um sie zu einer pädagogischen Sitzung zu zwingen. Durch ein Telefonat mit der Polizei versuchen sich die Lehrkräfte Hilfe zu holen, allerdings nimmt der Polizeibeamte (humorvoll gesprochen von Luis Angstl) die Hilferufe nicht ernst.

Schnell wird klar, dass sich auf den Sofas zwei Lager wie in einem Schützengraben gegenübersitzen. Die schnippische Frau Baumann (brillant gespielt von Annalena Böhmer) und die altbackene Frau Lohmann (überzeugend dargestellt von Rebeka-Rita Matesz) springen ihrem Kollegen Engelhardt bei.  Der Ton wird zunehmend aggressiver.

Auf der Gegenseite setzen sich die gutgläubige Schulpsychologin (gespielt von einer hinreißenden Sophie Langer), Sportlehrer Mertens (dargestellt von Publikumsliebling Johannes Ametsberger) und Referendarin Schuster (Amina Hodzic beweist hier beachtliche Schauspielfähigkeiten) dafür ein, dem Schüler den fünften Punkt, den er für die Abiturzulassung braucht, doch noch zu verschaffen.

Chemielehrerin Vogel (Carmen Faust gelingt es, diese schrullige Figur realistisch darzustellen) gehört zu keinem der beiden Lager, sie findet am Ende aber die richtigen Worte: „Wenn Sie mich nach meiner ehrlichen Meinung fragen: Ich finde, dass wir Lehrer uns nicht zu Göttern aufspielen dürfen. Mit oder ohne Abitur - wir sollten Fabian in Frieden ziehen lassen!“

Fabian Prohaska, der Schüler, um den über eine Stunde lang diskutiert, verhandelt und gestritten wird, tritt zwar nicht direkt auf, aber Violet Promeuschl leiht der Figur in einer Telefonszene seine Stimme und führt dem Publikum einen freundlichen jungen Mann vor, der ziemlich genau weiß, was er will.

Und so wird diskutiert, gestritten, geschwiegen, bis am Ende Wahrheiten ans Licht treten, die man besser nicht gewusst hätte.

Im voll besetzen Festsaal des Gymnasiums Marquartstein verfolgten etwa 150 Zuschauerinnen und Zuschauer die gelungene Premiere von „Eingeschlossene Gesellschaft“ in der Regie von Sandra Altmann. In vielen Szenen wusste das Publikum aber nicht, ob man wirklich lachen darf, wenn die Lehrerin auf der Bühne von „genetischem Gemüse“ oder von „Minderleistern“ spricht und damit ihre Schüler meint. Offenbar ist das Stück Komödie, Tragödie und Gesellschaftssatire zugleich und führt den Zuschauern schonungslos vor Augen, dass weder hyperstrenge noch gleichgültige noch allzu lässige Lehrer erfolgreich sein können – ebenso wenig aber auch gewaltbereite Helikoptereltern oder vollkommen planlose Schüler.

Damit eignet sich das Stück hervorragend für ein Schülertheater, um den Lehrkräften, der Schülerschaft, aber auch den Eltern auf humorvolle Weise den Spiegel vorzuhalten. Die Resonanz auf die Inszenierung war durchweg positiv.



Die Fotos stammen alle von Volker Pöhlmann